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Am 16. Mai 2009 startete unsere Namibiareise. Da die Flüge ab Deutschland massiv günstiger waren und es von dort einen Direktflug nach Windhoek gab buchte ich den Flug mit Air Namibia ab Frankfurt. Wir trafen mittags in Frankfurt ein, dort trafen wir uns noch mit meiner Mutter und meiner Schwester und verbrachten den Nachmittag am Flughafen. Um 22.00 Uhr ging es dann los. Pünktlich um kurz nach 7:00 Uhr landeten wir in Windhoek. Von nun an war fast jede Stunde verplant: Wir wurden vom Autovermieter abgeholt und übernahmen direkt nach der Ankunft unseren 4x4-Camper, einen "Discoverer X", der auf Basis eines Nissan Patrol gebaut war. Anschliessend ging es noch rasch zum Supermarkt, damit wir uns mit Wasser und Lebensmitteln eindecken konnten.
Wir verliessen Windhoek nach Norden. Nach 40 km bereits die erste 4x4 Strecke: 16 km Anfahrt zur Düsternbrook Farm. Dort hatte ich um 14:30 Uhr einen Termin für eine "Cats unlimited"-Tour und um 15:30 Uhr einen Termin für einen Gamedrive auf der Farm. Beides war sehr sehenswert. Wir übernachteten auf Düsternbrook und genossen ein exzellentes Nachtessen mit dem Farmbesitzer.

Gleich am nächsten Morgen ging es nach Etosha. Wir fuhren bereits kurz vor Sonnenaufgang in der beginnenden Dämmerung los. Unterwegs machten wir 10 Minuten Frühstückspause, dann ging's weiter. Wir hatten über 400 km bis Etosha vor uns.
Um 13.00 Uhr erreichten wir den Park. Zu sehen gab es vor allem Springböcke und Zebras. Wir fuhren von Wasserloch zu Wasserloch. Nirgends war viel los. Highlight war ein Schakalrudel, das einen Springbock erlegt hatte. Ein Schakal machte sich mit dem Kopf aus dem Staub.
Abends blieb ich von 19 Uhr bis Mitternacht am Wasserloch in Okaukuejo - und habe mich dabei leider erkältet. Es war praktisch immer was los, wenn auch nie sonderlich viel. Mal ein Elefant, mal ein Nashorn, mal ein Schakal. Alle Tiere schienen sich wie in Zeitlupe zu bewegen.

Das Tor vom Camp wurde erst zu Sonnenaufgang geöffnet - vorher darf niemand den Campingplatz verlassen. Wir fuhren aus dem Camp und unser erster Weg führte nach Norden. Gegen 7:00 Uhr sahen wir auf Distanz eine Loewin. Leider kaum zu fotografieren. Sie hatte ein anderes Auto attackiert und den Reservereifen, der hinten hing zerbissen.
Den Rest des Tages widmeten wir dem Westteil des öffentlich zugänglichen Bereichs des Parks. Zu sehen gab es fast nur Zebras und Springboecke, vereinzelt Kudus, Gnus und ein paar Oryx.
Am Spätnachmittag sahen wir dann auch zwei einzelne Elefantenbullen aber leider keine ganze Herde. Übernachtung in Halali genau in der Mitte des Etosha-Parks. Das Wasserloch war eine mega Enttäuschung. Drei Stunden ist nix passiert.

Nach dem wir zwei Tage von Wasserloch zu Wasserloch zogen wollten wir am dritten Tag lange an einem bleiben und wählten dafuer Chudop. Hier waren wir meistens die einzigen. Leider liess sich in den 5 Stunden, in denen wir warteten weder ein Löwe noch ein Elefant da blicken. Dafür massig Giraffen. Immer wieder kamen kleinere Herden vorbei, vor allem Zebras, Springböcke und Kudus. Aber es gab auch noch andere Tiere, beispielsweise Warzenschweine.
Kurz vor Sonnenuntergang verliessen wir Etosha, um in Onguma zu übernachten. Hier gab es ein gediegenes 3-Gänge-Menü im Freien bei Kerzenschein. Das war wirklich sehr stimmungsvoll - in Hörweite gab es auch ein Wasserloch, von dem einmal ein Drohlaut eines Nashorns zu hören war.

Am Morgen gab es ziemlich Schwierigkeiten, weil wir Etosha ueber Nacht verlassen hatten, um in Onguma zu schlafen. Von 6.15 - 9.30 Uhr durchfuhren wir den nordwestlichen Teil des Parks. Wir verliessen Etosha durch das King Nehale Gate... auf dem gesamten Weg von Onguma bis King Nehale gab es fast nix zu sehen. Einzig in Tsumkor stand ein einzelner Elefantenbulle.
Bilanz von Etosha: viele, mit denen wir uns unterhielten hatten Elefantenherden gesehen, und viele Löwen. Daher waren wir etwas enttäuscht, dass wir fast nur Zebras und Antilopen gesehen hatten.
Nun hatten wir ein paar Hundert Kilometer vor uns. Bei Ruacana stellten wir mit Entsetzen fest, dass der Kompressor, der in unserem Auto war nicht funktionierte, wir konnten also den Luftdruck in den Reifen nicht aktiv steuern.
Abends erreichten wir nach einer 50 km langen 4x4-Strecke die Kunene River Lodge. Auch hier gönnten wir uns ein schönes Abendessen bei Kerzenschein.

Am Morgen fuhren wir von der Kunene River Lodge nach Epupa. Der erste Teil der Strecke war nur für Allradfahrzeuge. Aus Sicherheitsgruenden fuhren wir sehr langsam. Auf Schotterstrassen nur Spitzengeschwindigkeiten von 65. Der Durchschnitt lag natürlich ganz erheblich niedriger. Ankunft gegen 11.00 Uhr auf der Omarunga Campsite. Die mit Bast verkleideten Freilufttoiletten sind ein Erlebnis für sich. Mittlerweile hat sich meine Erkältung von Okaukuejo auf Thomas übertragen (was schlimmer ist, weil er fast alle Strecken fährt - daher machten wir eine lange Mittagspause auf der Campsite). Am Nachmittag gingen wir zu den Epupa Falls. Zu Sonnenuntergang gab's noch einen Sundowner auf einem Aussichtshügel. Savanna Dry stellt sich als super Getränk für den Abschluss des Tages heraus. Essen in der Omarunga Lodge ist sterneverdächtig. Hauptspeise als Büffet. Wieder extrem lecker.

Am Morgen nahm ich an einer Himba Tour teil, die von der Omarunga Campsite angeboten wird. Thomas cancelt die Tour, weil er immer noch krank ist. Ich bin nun überraschend der einzige Teilnehmer. Die Tour ist o.k., es ergeben sich auch ein paar gute Fotomöglichkeiten, vor allem von Himbakindern. Der Guide wirkt allerdings nicht wirklich motiviert.
Um 12.00 Uhr fuhren wir von Epupa Richtung Opuwo. Es gelingt uns tatsächlich Diesel zu bekommen. Nur eine von drei Tankstellen hat offen. Schnell noch zum Supermarkt. Ich besorge Wasser, Thomas bewacht den Wagen. Dann Richtung Orupembe. Jetzt kommt der abenteuerliche Teil, der auch dem Auto am meisten abverlang. Wir übernachten kurz hinter Kaoko Otavi.

Wir fuhren bereits vor Sonnenaufgang in der Dämmerung los. Die Landschaft war sehr abwechslungsreich. Den ganzen Tag begegenete uns kein anderer Tourist. Nur ein paar Einheimische.
Schliesslich ging es in die Berge. Überall auf der Strasse liegen grosse und spitze Steine, ich mache mir ernsthaft Sorgen um die Reifen... am Nachmittag erreichen wir Orupembe. Wir frischen unseren Savanna Dry Vorrat auf.
Anschliessend wollen wir im Flussbett des Khumbib fahren. Vorher testen wir noch das ausgeliehene Satelittentelefon auf seine Funktionstüchtigkeit. Das Ding ist so eine Art Lebensversicherung, falls uns hier draussen irgendwas passiert.
Die Fahrt im Flussbett erweist sich als sehr anstrengend. Nach einer Stunde haben wir gerade mal sieben (!) Kilometer geschafft. Wir diskutieren und beschliessen, die Fahrt im Flussbett abzubrechen. Thomas meint, dass er sich beim Fahren so sehr konzentrieren müsse, dass es keinen Spass mehr mache. Das ginge mal für eine oder zwei Stunden - aber nicht für zehn. Also verlassen wir das Flussbett und übernachten kurz vor Orupembe.

Wir hatten einen ganzen Tag Zeit für die 125 km von Orupembe nach Purros. Gestartet sind wir morgens in der Dämmerung bereits vor Sonnenaufgang. Jetzt halt über die normale Strasse - nicht durch das Flussbett.
Die Vegetation wurde immer spärlicher und verschwand schliesslich ganz. Sollte die NASA beschliessen mal eine Location zu suchen, um eine Marslandung zu faken wäre diese Gegend ideal! Es sah genau so aus wie die Bilder, die Pathfinder vom Mars zur Erde sandte! Eine rote Steinwüste. Nach über 6 Stunden Fahrt hatten wir Purros erreicht. Durchschnittstempo rund 19 km/h. Zwischendurch gab es übelstes Wellblech. Da sind wir mit 10 km/h drübergehoppelt.
Die Campsite war sehr schön. Die Sanitäranlagen sehr idyllisch unter einem riesigen Baum integriert. Wir machten kurz Mittagspause und wollten darauf anstossen, dass wir das Kaokoveld bislang ohne Reifenpanne hinter uns gebracht hatten, da bemerkte ich, dass der vordere rechte Reifen einen auffälligen Bauch hatte. Schon bald war klar, dass da langsam Luft entwich. Meinem Mann und mir stand der erste Reifenwechsel unseres Lebens bevor. Wenigstens im Schatten auf der Campsite im ebenen Gelände. Das Wechseln ging rund eine Stunde.
Am Nachmittag fuhren wir noch einige Kilometer in das Flussbett bei Purros. Natürlich hoffte ich, vielleicht doch noch einen Wüstenelefanten zu sehen - aber wir hatten kein Glück. Den Spätnachmittag verbrachten wir dann noch mit dem Besuch in einem Himbadorf.

Wir verliessen Purros wieder vor Sonnenaufgang in der Dämmerung. Unser erstes Ziel war Sesfontein, denn dort wollten wir den kaputten Reifen reparieren lassen. Wir kamen wieder relativ langsam voran (ca. 20 km/h). In Sesfontein war jedes zweite Haus ein "Tyre Repair". In den meisten Häusern (bzw. Tyre Repair Stations) war jedoch niemand. Schliesslich konnten wir doch jemanden auftreiben - und sollten die afrikanische Mentalität etwas näher kennen lernen. Für mich verwunderlich war, dass der Typ vom "Tyre Repair" kein Werkzeug hatte, um den Reifen von der Felge zu nehmen. Aber er kannte jemanden, der sowas hat. Also hat ihn mein Mann quer durch den Ort gefahren und sie kamen mit zwei Eisenstangen zurück. Nach einer halben Stunde war der Reifen von der Felge genommen und der Schlauch herausgeholt. Dann ging es wieder eine halbe Stunde bis das Loch gefunden war (es war kein echtes Loch sondern nur eine ganz leicht undichte Stelle in der Naht des Schlauches, also ein Materialfehler. Jedenfalls konnte ich beim besten Willen nicht erkennen, wo da ein Loch sein sollte).
Nach Begutachtung des Schlauches meinte der Afrikaner: "We need a Patch!" Interessanterweise gab es aber keine. Der Tyre Repair Typ meinte, man könne im Supermarkt welche kaufen. Also sind wir zum Supermarkt gefahren. Wieder zurück, diesmal mit dem Patch. Der Afrikaner machte sich am Schlauch zu Werk und meinte kurz darauf, dass er noch Klebstoff bräuchte. Aber das hätte er auch nicht. Also wieder zum Supermarkt... Für 90 N$ Klebstoff gekauft. Das klappte dann irgendwie. Zum Schluss haben noch zwei Männer den Reifen mit einer Handpumpe aufgepumpt, die so aussah, als sei sie noch aus dem ersten Weltkrieg übrig geblieben. Alles in allem ging es rund zwei bis drei Stunden bis der Schlauch geflickt war. Dann weiter nach Palmwag. Die Fahrt lief gut, endlich wieder eine richtige Strasse ohne Wellblech.
Ankunft in Palmwag! Endlich wieder Zivilisation. Wir hatten Stromanschluss und backupten erstmal die Bilder (auf drei unterschiedliche Festplatten!). Am Abend gingen wir im Restaurant von Palmwag Essen.

Wir haben überlegt, ob wir einen kompletten Tag im Palmwag Concession Gebiet verbringen wollen. Uns wurde eine Rundfahrt vorgeschlagen, die allerdings den gesamten Tag in Anspruch nimmt. Da aber einerseits das Aussteigen während der Rundfahrt grösstenteils untersagt war und es andererseits wieder einen kompletten Tag Fahrt bedeutete (nachdem mein Mann gerade drei Tage von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang hinter dem Steuer verbracht hatte) entschlossen wir uns gegen diese Rundfahrt und fuhren weiter Richtung Twyfelfontein.
Twyfelfontein ist das einzige UNESCO-Weltkulturebe Namibias. Hier machten wir den üblichen geführten Rundgang zu den Petroglyphen. Das war zwar kein Highlight der Reise aber sicherlich eine Sache, die zu jeder Erst-Namibia-Reise dazu gehört.
Von Twyfelfontein fuhren wir zur Brandberg White Lady Lodge, dort kamen wir bereits kurz nach Mittag an. Eigentlich wollte ich von der White Lady Lodge einen Gamedrive in den Ugab machen und hoffte natürlich auf eine letzte Chance für Wüstenelefanten. Leider wurden die sonst üblichen Touren nicht angeboten, da es angeblich im Moment keine Wüstenelefanten im Ugab gab. Also leisteten wir uns zwei Stunden Pause in der Bar und dem dazugehörigen Garten. Zu meiner grossen Freude gab es ein (relativ) zahmes Erdmännchen. Es hatte den Namen "Alien" und wurde von mir ausführlich fotografiert. Abend gab's wieder ein leckeres Essen und einen Amarula in der Lodge.

Früh morgens machten wir uns auf zum Brandberg und konnten hervorragende Bilder im Sonnenaufgang machen, als das Brandbergmassiv rötlich erstrahlte.
Normalerweise kann man nur mit einem Guide zur White Lady Zeichnung aufbrechen - aber da wir so früh waren (7.00 Uhr), sagte uns der Herr am Eintrittshäuschen, dass wir uns allein auf den Weg machen sollen, denn der Guide würde noch schlafen. Es hiess, dass es 45 Minuten Fussweg seien. Nach eineinhalb Stunden - als wir immer noch nicht am Ziel waren - waren wir kurz davor abzubrechen; liefen dann aber doch weiter. Nach knapp zwei Stunden erreichten wir die White Lady Malerei. Es war eine schöne Wanderung, alles lag sehr gut im Licht. Ich habe übrigens noch nie auf einer Wanderung derart viele (verschiedene) Eidechsen gesehen. Für den Rückweg brauchten wir nur gut eine Stunde und waren gegen 11.00 Uhr wieder zurück am Eingang.
Nach einem Einkaufsstopp in Uis ging es weiter Richtung Spitzkoppe. Unterwegs trafen wir ein deutsches Pärchen, die bei Europcar einen 4x4 Nissan X-Trail gemietet hatten aber nur einen 2x4 Hyundai Tucson erhielten - und sich bei einer Flussbettdurchquerung auf der Gravelroad hoffnungslos im Sand eingegraben hatten. Nach rund einer halben Stunde hatten wir sie mit unserem Discoverer heraus gezogen.
Am Spätnachmittag erreichten wir die Spitzkoppe. Das erinnerte sehr an das Red Centre in Australien. Erinnerungen an den Ayers Rock und die Olgas kamen auf. Wir fuhren ein wenig herum, suchten den Rock Arch und campten schliesslich auf einer Campsite ganz im Westen der Spitzkoppe, auf der der Berg sehr schön im letzten Abendlicht angestrahlt wurde. Den Abend verbrachten wir im Auto, da es draussen zu kalt war. Kurz nach Sonnenuntergang fiel die Temperatur rapide in den einstelligen Bereich.

Den gesamten Morgen verbrachten wir an der Spitzkoppe. Wir fuhren eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang von unserer Campsite im Westen los und waren pünktlich zu Sonnenaufgang im Osten. Dort wollten wir zu Bushmans Paradise. Für mich war bereits nach wenigen Metern Aufstieg Schluss - Das ist definitiv nichts für Personen mit Höhenangst. Mein Mann kam ein gutes Stück weiter, brach den Aufstieg aber auch ab, weil er sich nicht mehr vorstellen konnte, wie er da sonst wieder herunter käme. Dafür verbrachten wir einige Zeit am Rock Arch, der am Morgen perfekt im Licht ist.
Eigentlich hatte ich geplant von der Spitzkoppe direkt nach Swakopmund zu fahren. Spontan entschlossen wir uns jedoch noch dazu bei Cape Cross vorbeizuschauen. Es gab eine hervorragende Schotterstrasse Richtung Küste (Strasse nach Hentjesbay). Die Strasse ist schnurgerade, in perfekten Zustand und rechts und links ist eine Steinwüste, so dass einem keine Tiere überraschend vor die Kühlerhaube springen können. Trotzdem entschlossen wir uns aus Sicherheitsgründen dazu nicht schneller als 70 km/h zu fahren (das war unser Spitzentempo auf Gravelroads). Ein Pickup überholte uns mit ca. 90 km/h. Es gab auf der ganzen Strecke keinen Gegenverkehr. Nach gut einer Stunde sahen wir den Pickup am Strassenrand: er hatte sich auf gerader Strecke überschlagen. (Polizei war bereits vor Ort) Keine Ahnung, wie das passiert sein kann. Aber ich fühlte mich darin bestätigt auch bei noch so gutem Zustand der Piste nicht schneller als 70 zu fahren. Natürlich könnte man 100 fahren... das geht i.d.R. gut, aber bei unerwarteten Sachen z.B. Reifenpannen kommt es dann oft zu Überschlägen. An mehreren Stellen (u.a. im Tourist Info in Swakop) wurde mir gesagt, dass jedes Jahr massig Deutsche in Leichensäcken nach Hause geflogen werden. Grund seien stets Autounfälle. Die meisten ohne Drittauto sondern aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit. Ich habe auch fast alle Touristen, mit denen ich ins Gespräch kam, gefragt, wie schnell sie auf den Schotterstrassen fahren und die Antwort war immer, dass bei gutem Strassenzustand "100" gefahren würde.
Wir erreichten Cape Cross. Man liest hier im Forum viel über den Gestank der Seelöwen - und es riecht tatsächlich streng, aber es ist absolut aushaltbar. Ich habe rund 45 Minuten fotografiert und nach ein paar Minuten schon gar nix mehr gerochen. Bemerkenswert fand ich den Lärm, den die Tiere machten. War in jedem Fall ein lohnender Abstecher, denn so viele Seehunde sieht man sonst selten auf einem Haufen.
Über eine "salt road" ging es nach Swakopmund. Auch hier fuhren wir maximal 70 - und wurden immer wieder von Autos, die ca. 100 km/h drauf hatten überholt.
In Swakopmund besorgte ich ein Permit beim Ministerium für Tourismus und Umwelt (ging erstaunlich gut und schnell) und buchte zwei Touren für die Folgetage. Auch das ging sehr schnell. Am Nachmittag hoben wir noch Geld ab und den Abend verbrachten wir auf dem Campingplatz "Alte Brücke".

Wir hatten einen kompletten Tag mit Pelican Tours gebucht. Treffpunkt 8.30 Uhr in Walvis Bay. Es hiess, man solle um 7.45 Uhr in Swakop losfahren, da es nur 30 km seien. Wir fuhren schon um 6.45 Uhr los, damit in jedem Fall genug Zeit ist. Nach exakt 45 Minuten hatten die 30 km Asphaltstrasse gemacht und waren in Walvis Bay. Weil noch Zeit war fuhren wir zur Lagune und dort sah ich viele Flamingos. Diese waren zu meiner Überraschung allerdings nicht rosa sondern weiss. Nach einem kurzen Frühstück im Auto ging's zum Pelican Tours Büro. Es gab eine super Nachricht: wir waren nur zu siebt auf dem Katamaran, der eigentlich für 30 Personen ausgelegt ist und bei der Jeeptour am Nachmittag waren wir sogar die einzigen beiden. Tolle Fotografiervoraussetzungen.
Das Boot war ein sehr grosser und geräumiger Katamaran. Man konnt vorne sitzen, im Innern des Boots (windgeschützt) und ganz oben. Da das Boot so gut wie leer war, hielten wir uns während der Fahrt an allen Stellen mal auf.
Die anderen fünf Teilnehmer der Bootsfahrt waren Schwarze, die einen Betriebsausflug machten. Sie gehörten irgend einer Handyfirma an, die mit SMS-Gewinnspielen Geld macht. Alle fünf interessierten sich allerdings nicht wirklich für die Fahrt. Einer schlief fast die ganze Zeit und die anderen verbrachten 90% der Fahrt mit SMS-schicken.
Ich war der einzige an Bord, der fotografierte und hatte also überall die Pole Position, wenn es um Tiersichtungen ging. Uns besuchten zwei Robben an Bord (Google und Spotty). Beide waren gesellig, besonders Spotty liess sich gerne streicheln und setzte sich bei Bedarf auch auf den Schoss von Gästen. Dann flogen Pelikane genau in dem Tempo in dem das Boot fuhr direkt neben dem Boot her... noch nie hatte ich Gelegenheit derart gute Bilder von diesen Tieren zu machen. Auch Kormorane und Möwen machten einen Besuch auf dem Boot. Im Wasser gab es Delphine zu sehen sowie massig Robben. Ein Highlight folgte auf das andere. Ich glaube, es war die beste Bootsfahrt meines Lebens (und ich habe schon viele gemacht). Wir sahen auch die Boote von Levo und Mola Mola, die gegen unseren Katamaran wie kleine Fischkutter wirkten und mit mehr Leuten besetzt waren als wir. Ich war so froh, mich für Pelican entschieden zu haben.
Nach der Bootsfahrt ging es mit einem Nissan zu Sandwich Harbour. Wir waren wie gesagt die einzigen beiden Gäste im Auto. Die Tour war gut, Sandwich Harbour an sich ist aber nix besonderes. Das was die Tour wirklich spannend macht, sind ein paar Dünenabfahrten am Nachmittag. Unglaublich, wo man mit einem Auto noch langfahren kann. Unser Fahrer gab sich alle Mühe die Fahrt interessant zu machen. Am Nachmittag packte er noch einen Obst- und Schokoladenkorb aus. Um kurz vor 17.00 Uhr waren wir zurück.
Da wir noch dringend tanken und einkaufen mussten, erledigten wir das auch noch in Walvis Bay. Zum ersten Mal probierten wir einen "Spar" aus. Das Angebot war gut, am genialsten fand ich die Salatbar... wir kauften 1,2 kg geamachte Salate für nicht einmal 5 Franken. Dann ging's zurück zum Alten Brücke Resort. Eigentlich wollten wir heute Abend auswärts Essen gehen, aber so richtig Hunger hatten wir nicht (wir hatten mittags wirklich heftig zugeschlagen). Also verbrachten wir den Abend wieder im Auto auf der Campsite. Zum Abendessen gab es dann ein paar Scheiben Brot. Gekocht oder gegrillt haben wir im ganzen Urlaub übrigens nie. Irgendwie erschien uns das als zu aufwendig (allein schon der Gedanke an den Abwasch anschliessend...). Deswegen gab es eigentlich immer, wenn wir uns selbst verpflegt haben Brot mit Käse oder Wurst. Als Teller diente ein Küchentuch.

In der Nacht war es ziemlich kalt, das Thermometer im Auto zeigte 6°C.
Tommys Wüstentour ist wohl Pflichtprogramm in Swakop. Ich habe von allen Seiten nur gehört, dass es absolut spitze sei. Je nach Nachfrage fährt er mit zwei grossen Allradautos in die Dünen hinter der Stadt. Ich war sehr erleichtert, dass es bei unserer Fahrt nur ein Auto war. Am Rand der Wüste hat Tommy in einer lustigen Mischung aus Deutsch, Englisch und Afrikans eine halbe Stunde allgemein über die Namib referiert. Er kann gut und unterhaltsam reden und lässt viele Witze in seine informativen Erklärungen einfliessen. Anschliessend ging's in die Dünen. Am Anfang hat er nix gefunden... mit der Zeit grub er jedoch den einen oder anderen Gecko aus. Die einzige Schlange, die wir sahen, war ein winziger Seitenwinder. Die Tour ist eine geniale Möglichkeit diese kleinen Reptililen zu sehen und auch fotografieren zu können. Nur wegen dieser Tour habe ich ein Makroobjektiv mitgenommen (was sich auch gelohnt hat).

Heute war der Tag mit dem wenigsten Programm. Natürlich stand ich bereits vor Sonnenaufgang auf. Nach dem sehr enttäuschenden Sonnenuntergang am Vorabend hoffte ich doch noch auf eine leichte "blutrote" Verfärbung. Um es kurz zu machen: Spektakulär ist anders. Aber es hat sich zumindest deutlich mehr verfärbt als am Vorabend. Aber als hauptberuflicher Photoshop-Trainer werde ich schon was aus den Fotos machen können
Unser erstes Ziel war der Rock Arch. Der Weg dahin war gepflastert von vielen scharfkantigen Steinen und ich machte mir immer wieder Sorgen um die Reifen. Obwohl es nur wenige Kilometer sind, brauchten wir ziemlich lange. Da wir heute nur eine relativ kleine Strecke fahren, gönnten wir uns ein Frühstück am Rock Arch. Das war unser erstes Frühstück am Campingtisch. Vom Rock Arch ging es dann nach Solitaire. Obschon das eine verhältnismässig kurze Strecke war brauchten wir fünfeinhalb Stunden (nonstop) dafür. Unterwegs sahen wir massig Springböcke, aber auch Strausse und Wildschweine. In Solitaire füllten wir unseren Savanna Dry Vorrat auf und assen den obligaten Apfelkuchen (er war nicht schlecht, aber der in Swakop war um Klassen besser!).

Heute fuhren wir zum Sesriem Campingplatz und besichtigten den Sesriem Canyon. Anschliessend ging's nach Sossusvlei. 60 km Teerstrecke und 5 km Sand. Natürlich stoppten wir unterwegs bei Düne 45. Wir waren da die einzigen. Ich machte mich an den Aufstieg, beschloss aber nach einigen Minuten, dass ich diese Düne wohl nicht bis oben besteigen werde, weil ich meine Kräfte für "Big Daddy", die grosse Düne bei Sossusvlei aufsparen wollte. Also weiter. Am 2WD-Parkplatz die Freilaufnaben rein und durch eine tolle Sandstrecke bis zum Sossusvlei.
Überraschenderweise waren wir auch hier die einzigen, so hatten wir die Top-Destination des Landes für uns ganz allein.
Den Spätnachmittag verbrachte ich auf der grossen Düne in Sossusvlei. Ich hatte beim Aufstieg unser GPS dabei und es zeigte vom Auto bis zu der Stelle an der ich gegangen bin eine Distanz von 600 Metern - und über 100 Höhenmeter!

Um 5:30 Uhr - eine Stunde vor Sonnenaufgang - starteten wir unsere Fahrt ins Sossusvlei. Dort kamen wir pünktlich zum Sonnenaufgang an. Ich stapfte rund 2 Stunden durch die Lehmpfanne und machte Aufnahmen. Wieder waren wir allein. Dann fuhren wir zurück. Offenbar war genau jetzt Rush-Hour, denn als wir uns auf den Rückweg machten kamen auf einmal im 3-Minuten Takt Autos entgegen.
Unser Tagesziel war die Namtib-Gästefarm in den Tiras-Bergen. Die lag 250 km von Eingang des Sossusvlei-Parks entfernt. Wir waren sehr gut in der Zeit als wir auf der D707 plötzlich ein merkwürdiges Zischen hörten... Nach einer Inspektion der Reifen wurde der Verdacht zu Gewissheit: ein Reifen war beschädigt. Die Stahlteile schauten raus. Während wir für unseren ersten Reifenwechsel eine Stunde brauchten waren wir nun routiniert und das ganze war in weniger als 30 Minuten erledigt.
Die 707 ist übrigens eine wundervolle Strecke mit schönem roten Sand und wundervollen Aussichten auf die Berge. Kein Wunder zählt sie zu den schönsten Strecken des Landes.
Namtib erreichten wir um 14.40 Uhr - Wir waren die einzigen Campinggäste. Von sämtlichen Campsites in Namibia hat uns diese am besten gefallen. Sie lag wunderbar malerisch am Fuss eines Berges. Abends gab's dann noch ein hochinteressantes Gespräch mit dem Farmer beim Abendessen.

Heute war der einzige echte Puffertag der Reise. Wir hatten so gut wie kein Programm und nur ca. 100 km Fahrt vor uns. Also liessen wir den Morgen gemütlich angehen. Zum zweiten mal in dem Urlaub erlaubten wir uns ein Frühstück im Freien. Anschliessend fuhren wir noch über eine Stunde auf dem Farmgelände entlang. Wir hatten uns dafür extra die Erlaubnis des Farmers geholt. Die Gegend war landschaftlich sehr schön. Das Gras war hoch und gelb und dazwischen führten die rotsandigen Spuren der Wege entlang. An Tieren sahen wir leider nur ein paar Kühe, Käfer und Webervögel. Von den Webervögeln konnte ich dafür tolle Fotos machen.
Gegen Mittag ging's weiter nach Klein Aus Vista. Den Abend verbrachten wir im Restaurant, wo es wieder ein tolles Büffet gab.

Wir fuhren im Dunkeln von Klein Aus Vista so gegen 4.45 Uhr los. Nach zwei Stunden (wir sind sehr langsam gefahren) erreichten wir Kolmanskop genau zu Sonnenaufgang. Wir zeigten unser Spezial-Foto-Permit und durften auf das Gelände. Da die Geisterstadt um diese Zeit noch geschlossen ist, waren wir die einzigen Besucher. Die Sonne stand ganz tief und schien genau auf die Häuser und ich bekam einen richtigen Fotorausch. Zuerst machte ich eine Reihe Aussenaufnahmen, später auch viele Bilder in den Häusern. Ich war erstaunt darüber, dass man sich völlig frei bewegen konnte und wirklich in jedes Haus hineingehen konnte. Um 9.00 Uhr machten wir die Führung mit, in der es eine Reihe interessanter Infos gab. Anschliessend ging es wieder auf eigene Faust durch die Stadt. Für mich war Kolmanskuppe eines der Top-Highlights der Reise. Rund sechs Stunden spazierte ich durch die Häuser.
Von Kolmanskuppe fuhren wir nach Lüderitz. Da fuhren wir aber primär nur ein wenig durch und betrachteten uns einige der Gebäude aus dem Auto. Anschliessend fuhren wir zurück Richtung Aus. Kurz vor Sonnenuntergang machten wir noch einen Stopp bei den Wildpferden. Bei Aus erlebten wir den schönsten Sonnenuntergang der ganzen Reise. Erst nach Sonnenuntergang erreichten wir Klein Aus Vista und gönnten uns wieder das hervorragende Büffet als Abendessen.

Heute lag eine lange Fahrt vor uns. Daher starteten wir wieder vor Sonnenaufgang. Obwohl es eine toll gepflegte Asphaltstrasse war, fuhren wir nicht allzu schnell (ca. 75). In Rosh Pinar war unser erstes Ziel Trend Tyre, um einen neuen Reifen zu kaufen. Das klappte auch hervorragend.
Anschliessend kauften wir im Supermarkt noch ein paar Lebensmittel ein. Dann ging's weiter auf einer der angeblich schönsten Strecken des Landes. Leider zogen immer mehr Wolken auf und als wir den Oranje erreichten war das Wetter grau in grau.
Die Strecke, die eigentlich ein Highlight der Reise werden sollte, war so eher unattraktiv. Entsprechend habe ich auch kaum fotografiert. Die Szenerie wäre schon schön gewesen; es gab eine Menge zerklüftete Berge und auf der rechten Seite der wasserführende Grenzfluss zu Südafrika. Aber so völlig grau fehlte dem ganzen einfach der Kontrast.
Schliesslich fuhren wir noch einige Am Spätnachmittag kamen wir nach rund 10 Stunden Fahrt am Canyon Roadhouse an.

Ich stand am Morgen auf und musste mit Entsetzen feststellen, dass die Wolken nicht wie ich erhofft hatte verschwunden waren, sondern es noch mehr gab und dichter Nebel dazu kam.
Wir fuhren zum Fishriver Canyon, zahlten den Tageseintritt für den Zugang und dann der Schock: Wir standen direkt am Canyon - und konnten ihn nicht sehen. Die Sichtweite betrug nur wenige Meter. Ich hoffte, dass sich die Situation verbessern wird und wir fuhren auf einer 4x4 Strecke am Canyon entlang. Der Strassenzustand wurde immer schlimmer, es gab viele scharfkantige Steine und meine Befürchtung jetzt auch noch einen Reifenschaden zu haben, wuchs. Irgendwo auf der Strecke machten wir eine halbe Stunde Pause um im Wagen zu frühstücken. Als es danach immer noch nicht aufgeklart war, beschloss ich die Strecke abzubrechen. Denn selbst wenn am Ende ein toller Aussichtspunkt wäre - was nutzt das, wenn die Sichtweite nur ein paar Meter beträgt?
Über Seeheim und Keetmanshop ging es zum Quivertree Forest Camp. Dort kamen wir gegen 14 Uhr an. Wir statteten "Giants Playground" noch einen Besuch ab, aber es war immer noch recht bewölkt und so ohne Sonnenlicht wirkten auch die rötlichen Felsen eher fad und langweilig. Ich machte dort jedenfalls so gut wie keine Bilder.
Um 16.00 Uhr dann der Höhepunkt des Tages: eine Gepardenfütterung. Zu meinem Erstaunen durften wir mit in das Gepardengehege und konnten die Tiere aus 2 m Entfernung ohne lästige Gitterstäbe fotografieren. So ganz geheuer waren die mir nicht. Wenn ich den Guide richtig verstanden habe, hatte es bislang aber nur zweimal einen Zwischenfall gegeben. Beide Male mit Kindern, da die durch ihre Grösse ins Beuteschema der Geparden passen. Desewegen dürfen Kinder nun nicht mehr in das Gehege.

Noch vor Sonnenaufgang ging ich wieder in den Quivertreeforest, um noch ein paar Bilder der Köcherbäume im ersten Sonnenlicht zu machen. Das war recht lohnend. Anschliessend fuhren wir 5 km zu "Giant's Playground". Diesmal schien die Sonne etwas und die Farben waren wesentlich schöner als gestern Nachmittag. Wir sahen massig Klippschliefer. Teilweise bis zu 7 Stück auf einen Schlag.
Anschliessend lag ein langes Stück Fahrt vor uns. Nach einem kurzen Einkaufsstopp im Spar in Keetmanshop ging es Richtung Grenze. Glücklicherweise war die Schotterpiste in einem sehr guten Zustand, so dass wir 70 fahren konnten. Wir kamen gut voran und überquerten mittags die Grenze nach Südafrika. Es würde mich nicht wundern, wenn wir die einzigen waren, die an diesem Tag dort die Grenze überquerten.
In Twee Rivieren suchten wir uns eine Campsite und fuhren gegen 15.00 Uhr noch einige Kilometer am Flussbett entlang. Dabei sahen wir einige Geparden in sehr grosser Entfernung (also mit blossem Auge hätte ich sie nicht erkannt), die einen Springbock (?) erlegt hatten und dabei waren diesen zu verzehren.
Zurück im Camp bemerkte ich wie die Wolken immer mehr zu nahmen. Wieder hoffte ich, dass sie sich über Nacht verziehen. Im Restaurant von Twee Rivieren assen wir zu Abend. Die Preise waren auch hier für Schweizer Verhältnisse absolut ok. Zurück auf der Campsite kamen die ersten Wassertropfen: es regnete in der Kalahari (und zwar in der Trockenzeit). Was Pflanzen und Tiere möglicherweise erfreut löste bei mir als leidenschaftlichem Hobbyfotograf grosse Besorgnis aus. Mal schauen wie das Wetter morgen wird...

Es hatte die ganze Nacht geregnet - mal stärker mal weniger stark. Wir fuhren im westlichen Flussbett nach Norden. Zu sehen gab es fast keine Tiere. Kein Wunder: Überall waren Pfützen und sie waren nicht auf die Wasserstellen angewiesen. Hin und wieder gab es ein paar entfernte Springböcke oder Oryx. Aber nichts das sich als Fotomotiv eignete. Auch während der Fahrt regnete es oft. Über die obere Dünenstrasse fuhren wir irgendwann Richtung Nossob. Aber auch im östlichen Flussbett hatte es so gut wie keine Tiere. Es war recht trostlos. Die ersten Südafrikaner verliessen bereits den Park, denn bei diesem Wetter machte es wirklich keinen Sinn die nassen Schotterpisten entlangzufahren. Am Abend übernachteten wir in Nossob. Es regnete noch immer. Was für ein Glück mussten wir kein Zelt aufstellen und konnten im Auto übernachten. Wir assen noch ein paar Scheiben Brot zu Abend und gingen relativ früh ins Bett. Der Regen prasselte auf das Dach und was blieb war wieder nur die Hoffnung, dass es am nächsten Morgen besser sei.

Die Wolken waren immer noch nicht verschwunden. Wir fuhren morgens nach Marie se Draii - aber wie auch am Vortag gab es nahezu keine Tiere. Die einzige Fotoausbeute während drei Stunden Fahrt waren ein paar Geier.
Zurück in Nossob bemerkte ich, dass im hinteren Teil des Campingplatzes eine kleine Kolonie von Erdhörnchen lebte sowie ein paar Mungos. Da sich ja sonst keine Tiere blicken liessen, fotografierte ich eine Stunde lang die Streifenhörnchen.
Um 13.30 Uhr kauften wir in Nossob noch eine kleine Flasche Amarula, dann machten wir uns auf den Weg zum Bitterpan Camp. Es ist eine 4x4 Strecke quer über die roten Dünen der Kalahari. Maximal vier Autos pro Tag sind auf dieser Strecke zugelassen. An einigen Stellen gab es heftiges Wellblech mit sehr langen Frequenzen. Das Auto schaukelte wie ein Schiff im Orkan. Grössere Tiersichtungen gab es auch hier nicht. Mal ein einzelnes Oryx, mal ein Vogel. Während der Fahrt lockerten sich die Wolken und hin und wieder schaute mal ein kleines Stück blauer Himmel hervor.
Für die 54 Kilometer benötigten wir rund zwei Stunden. Drei Autos waren bereits da - also waren wir die letzten. Die anderen drei Paare waren alle im Rentenalter und kamen alle aus Südafrika. Heute ist die einzige Nacht, in der wir nicht im Auto sondern in einer Cabin schliefen. Am Spätnachmittag machten wir gemeinsam mit zwei bewaffneten Rangern einen Spaziergang zur Lehmpfanne und auf einen kleinen Hügel. Der Ranger erzählte uns einiges über Tierspuren und über die Pflanzen dort. Offenbar ist dieser Ausflug etwas besonderes, angeblich findet der nur selten statt. Zurück im Camp gruppierten wir uns um das Lagerfeuer. Es war ein hochinteressanter Abend mit vielen Infos rund um Südafrika. Selten sind wir in diesem Urlaub so spät ins Bett. Auch wenn ich den Kgalagadi Park als die grösste Enttäuschung des Urlaubs empfand, so war doch dieser Lagerfeuerabend in Bitterpan trotzdem einer der schönsten Abende der Reise.

Der Himmel war wieder völlig bedeckt und wolkenverhangen. Kurz nach Sonnenaufgang verliessen wir Bitterpan. Der zweite Teil der Strecke war schneller geschafft als ich gedacht hatte. Schon nach knapp zwei Stunden waren wir wieder auf der Hauptachse im westlichen Flussbett. Leider war auch hier nichts zu sehen. Also entschlossen wir uns diesen Park zu verlassen. Der Abstecher in den Kgalagadi Park war ein ziemlicher Flop (mit Ausnahme von dem Abend in Bitterpan). Wir fuhren wieder über die namibianische Grenze. Unser Ziel war die Bagatelle Kalahari Game Ranch rund 300 km hinter der Grenze. Unterwegs hatten wir die dritte Reifenpanne. Es war wieder der Reifen, der im Kaokoveld bereits geflickt wurde. Ich hatte dem nie so recht getraut. Sicher war es auch diesmal wieder ein Materialfehler vom Schlauch. Mittlerweile waren wir routiniert im Reifenwechsel - das ganze dauerte weniger als 20 Minuten. Nach insgesamt gut neun Stunden Fahrt kamen wir in Bagatelle an. Uns erwartete eine tolle Campsite mit eigenem Bad. Das Personal war ultra-freundlich und wir haben uns sofort wohl gefühlt. Im Hauptgebäude gab es eine sehr gemütliche Bar mit grosser Bibliothek. Wahrlich eine tolle Atmosphäre. Mit einem Hunters (einer Art Apfelwein) stiessen wir auf den Geburtstag von Thomas an. Am Abend haben wir in der Lodge zu Abend gegessen.

Eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang, morgens um 7.00 Uhr, hatten wir einen Gamedrive gebucht. Wir hatten Glück und ausser uns hatte sich niemand angemeldet - also hatten wir den Guide mit dem offenen Jeep zwei Stunden lang für uns allein. Es war ein sehr freundlicher Schwarzer, der einwandfrei Englisch sprach. Wir fuhren über das grosse Ranchgelände und sahen natürlich jede Menge Springböcke, aber auch Oryx, Kudus und Gnus sowie ein paar Geier. Die Fahrt ging zwischen hüfthohem strahlend gelben Gras über rote Dünen und war ausgesprochen schön und sehr fotogen. Für Thomas und mich ganz klar ein Highlight der Reise. Gegen Ende der Fahrt sahen wir sogar noch zwei Giraffen. Um kurz nach 9.00 Uhr war der Gamedrive fertig. Die Fahrt hatte sich absolut rentiert und war ihr Geld wert.
Ich war ein bisschen traurig, weil ich im ganzen Urlaub keine Erdmännchen auf roten Dünen gesehen hatte. Ich wollte soooo gerne Erdmännchen fotografieren. und hatte jedem Tag meinem Mann gesagt, dass ich nicht weiss, ob ich wieder heim fliegen wolle, wenn ich kein einziges Bild von einem Erdmännchen auf einer roten Düne hätte. Aber weder im Kgalagadi noch hier auf der Rundfahrt war auch nur ein einziges dieser putzigen Tierchen auszumachen. Als unser Guide bemerkte, wie viel mir an den Erdmännchen lag, wies er mich nach der Rundfahrt an, dass ich mit meinem Mann in der Bar eine Tasse Gratiskaffee trinken solle und er würde sich auf die Suche nach Erdmännchen machen. Schon bald kam er zurück und sagte, er hätte welche gefunden. Dann führte er mich und meinen Mann in einen normalerweise nicht öffentlich zugänglichen Teil der Ranch. Vorbei an den Häusern der Farmarbeiter und ihrer privaten Tiergehege liefen wir rund 200 m - und da waren sie: Erdmännchen auf roten Sanddünen. Genau so wie ich sie haben wollte. Es gab sogar ein Jungtier. Ich bekam voll den Fotografierrausch. Innerhalb von 25 Minuten habe ich über 200 Erdmännchenbilder gemacht
Heute bereue ich sogar, dass ich nicht noch länger da geblieben bin, sicher hätte sich noch das eine oder andere coole Bild ergeben, wenn ich mich in die Nähe der Erdmännchen auf den Boden gesetzt und ein wenig gewartet hätte.
Punkt 11.30 Uhr verliessen wir Bagatelle und waren uns einig, dass sich der Besuch dort gelohnt hatte. Bis zum Tagesziel heute waren es nur rund 3 Stunden Fahrt. Wir übernachteten am Lake Oanob Campground bei Rehoboth.

Heute wäre eigentlich unser letzter Tag in Namibia gewesen, aber durch die Flugverschiebung hatten wir noch eine Nacht in Windhoek. Um kurz nach 8.00 Uhr ging es auf Richtung Windhoek - rund 90 km Asphaltstrasse, also keine grosse Sache. In Windhoek liessen wir unseren Camper waschen und fuhren anschliessend nach "Bwanapolis" zu Carsten Möhle, wo wir für 11.00 Uhr eine Stadtbesichtigung gebucht hatten. Carsten (den wir beim letzten Winter-Potije kennengelernt hatten) empfing uns freundlich, wir konnten unser Auto bei ihm auf dem Gelände parken. Er wusste, dass unser Flug verschoben wurde und schlug vor, die Stadtrundfahrt auf 14.00 Uhr zu verschieben. In einem schönen Hinterhof mit Garten fragte er, ob wir bereits gefrühstückt hätten und bot uns Kaffee an. Es war eine sehr gemütliche Atmosphäre.
Die Autorückgabe am Mittag verlief problemlos. Um kurz nach 14.00 Uhr starteten wir die Stadtrundfahrt im offenen Landrover. Ich sicherte mir sofort den Beifahrerplatz, denn es war der einzige Platz mit einem Sicherheitsgurt. Auch wenn ich mich fragte, was ein Sicherheitsgurt nutzt, wenn die Seitenwand des Wagens gerade mal aus einer dünnen Kette besteht, das Auto kein Dach hat und mein Mann in schallendes Gelächter ausbrach als ich ihn fragte, wieso das Auto keinen Überrollbügel hätte, falls wir uns überschlagen würden. Angeblich hatte der Wagen (der bei einer der letzten Fahrten in zwei Teile zerbrochen war, aber Profil was so glatt war wie ein Babypopo.
Wir sassen zu siebt in dem Auto und hinten sah es verdammt eng aus. Die Stadtrundfahrt führte am ältesten Gebäude Windhoeks vorbei auf den berühmtberüchtigten Lovershill, von dem aus es eine gute Aussicht auf die Stadt gab, weiter zur Christuskirche und der Reiterstatue, zum Parlament, durch das Schwarzenviertel Katutura und auf einen weiteren Aussichtspunkt am Ende der Reise. Carsten hat eine unterhaltende Art die Geschichte auf seine Weise zu erzählen. Ausserdem schien er die Hälfte der Bevölkerung zu kennen - in jeder Strasse grüsste irgendjemand. Ich glaube mit diesem annähernd 50 Jahre alten Gefährt ist er mittlerweil ein "Original" in dieser Stadt. In Katutura sprangen eine Reihe Kinder auf den Wagen. Das war auch recht lustig. Dann kam der schlimme Teil... er steuerte den Wagen auf einen Hügel zu, auf den man zwar irgendwie hoch konnte, aber ich würde sagen, dass es keine wirkliche Strasse gab. Noch nie hatte ich eine solche Schräglage des Autos erlebt (und das bei einem Wagen ohne Seitenwand). Über eine Strecke voller grober Felsen kämpfte sich der Landrover auf den Hügel. Ich sah uns schon irgendwo in den Abgrund stürzen und war vor Angst so paralysiert, dass ich gar nicht mehr ans Fotografieren gedacht habe (und das will bei mir was heissen). Wer hätte gedacht, dass ich die schlimmste Offroadstrecke meines Lebens ausgerechnet auf einer Stadtrundfahrt in Windhoek erlebe.
Am Abend fuhr uns Carsten in das Safari Court Hotel, in dem uns Air Namibia für die letzte Nacht einquartiert hatte.
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