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Ein Reisebericht von Norbert Tischelmeyer
Im Norden liegt 200 m über der Stadt Cuzco die Inkafestung Sacsayhuaman (auf deutsch "Falkenhorst"). Der von Francisco Pizarro nach seinen Gnaden eingesetzte 15. Inkaherrscher Manco-Inca (ein Sohn des 11. Herrschers Huayna-Capac und Bruder von Huascar) organisierte einen Aufstand und belagerte von dieser Festung aus das von den Spaniern besetzte Cuzco. Die Belagerung dauerte ein Jahr, aber schließlich eroberte Pizarro die Festung Sacsayhuaman. Manco-Inka zog sich mit 20.000 Getreuen in den Urwald zurück und erbaute irgendwo das geheimnisvolle, bis heute nicht gefundene Vilcabamba.
Gigantische Felsblöcke türmen sich zu drei zickzack-förmigen, auf Terassen übereinander liegenden, zyklopischen Festungsmauern mit einer Länge von je 540 m. Die Mauern werden auch als "Zähne des Pumas" (siehe Graphik unter Cuzco) gedeutet; die Zacken sind aus 22 eingerückten Ecken und hervorspringenden Winkeln gebildet. Die unterste Mauer besteht aus den größten Felsblöcken, einer ist 9 x 5 x 2,5 m und wiegt ca. 360 t (der neue Airbus 350 der AUA wiegt 253,5 t). Angeblich wurden solche Riesen von 20.000 Indios transportiert (eine gewaltige, logistische Leistung). In jeder der drei Mauern befindet sich ein riesiges, trapezförmiges Tor.
Am gegenüberliegenden Hügel gibt es auf einem Felsenplateau bearbeitete Steine in Form von Sitzen, Altären und Becken. Ein riesiger treppenartiger Komplex mit scharfen Kanten wird als "Thron der Inkas" (Trono del Inca) bezeichnet, von dem aus sie angeblich dem Bau von Sacsayhuaman zugeschaut hätten.
Eine spiegelglatte, abschüssige Fläche mit vielen Rillen und Mulden wird als "Rutschbahn" (Rodadero) gedeutet, wo sich angeblich der Inka-Adel vergnügte. Hier beginnt ein umfangreiches Labyrinth mit vielen Stollen und Gängen, die angeblich bis nach Cuzco führen. Es wird von zwei Jungen erzählt, die sich verirrt hatten. Einer fand nicht mehr ans Tageslicht, der andere berichtete, daß er den Gottesdienst des Klosters Santo Domingo gehört hätte.
Jeweils am 24. Juni (Wintersonnenwende) wird heute in Sacsayhuaman das Inti Raymi, das traditionelle Inka-Sonnenfest mit Prozessionen, Gesängen und rituellen Tänzen gefeiert. Wie in alten Zeiten wird ein Lama ge-opfert u. vom zuckenden Herzen die Zukunft gedeutet.
Oberhalb der Mauern an der höchsten Stelle befindet sich Muyuc Marca, eine Anlage von drei konzentrischen Steinkreisen. Die drei Kreise sind durch Speichen in acht Sektoren unterteilt, der äußerste hat einen Durchmesser von 23 Metern. Diese Anlage wird von den Archäologen verschieden interpretiert, und zwar als Kalender oder als Überreste eines großen Turms.

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